Dyskalkulie in Zeiten von Homeschooling

Zwischen dem 13. Juli und 6. Oktober 2020 hatte der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. v. (BVL) zu einer Umfrage aufgerufen. Das Thema: die Situation von Schüler:innen mit Legasthenie und/oder Dyskalkulie in der Homeschooling-Zeit. Insgesamt 739 Mütter und Väter aus ganz Deutschland nahmen teil, davon 276 als Eltern eines Kindes mit einer Rechenschwäche. Die wichtigsten Aussagen haben wir hier zusammengefasst:

Bearbeitung von Arbeitsaufträgen


Ungefähr zwei Drittel der Eltern gaben an, dass ihr Kind mit der Bearbeitung von schriftlichen Lernaufträgen überfordert war. Ebenso zeigten sich 60 Prozent der Eltern mit der Unterstützung ihres Kindes überlastet. Hinzu kam, dass nur ein Drittel der Schüler:innen, die eine Vorgabe zur Bearbeitungszeit bekamen, diese einhalten konnten.

Nutzung digitaler Medien


Knapp 70 Prozent der Eltern vermerkten, dass ihr Kind während des Homeschoolings mehr technische Hilfsmittel nutzen konnte als bislang. Das kam gut an: Gut zwei Drittel haben die Nutzung digitaler Medien als (sehr) hilfreich empfunden. Daher wünschen sich auch fast 80 Prozent der Eltern einen verstärkten Einsatz im Regelunterricht.

Psychische Belastung der Kinder


Jeweils etwa die Hälfte der Eltern empfinden die Stimmungslage ihrer Kinder aufgrund der veränderte Lernsituation als ent- beziehungsweise angespannter. Als eine der Ursachen für die erhöhte psychische Belastung ihres Kindes sehen 44 Prozent der Eltern den Wegfall der individuellen Lernförderung. 18 Prozent hingegen sagen, dass ihr Kind besser zurechtkam als im regulären Unterricht.

Individuelle Förderung


Nur 4,5 Prozent der Kinder wurden während des Homeschoolings schulisch gefördert. Hingegen fand für zwei Drittel der Kinder, die eine außerschulische Lerntherapie erhalten, diese auch während des Homeschoolings statt. Gut so, denn 78 Prozent haben das Angebot während dieser Zeit als (sehr) hilfreich empfunden.

Weitere Ergebnisse


Unabhängig vom Homeschooling bat der BVL die Eltern mit Blick auf den Regelunterricht um eine Einschätzung hinsichtlich des Nachteilsausgleichs. Er trägt dazu bei, dass Kinder mit Lernschwäche gegenüber anderen Mitschüler:innen nicht benachteiligt werden. Das Ergebnis: Nur gut 28 Prozent der Eltern sind zufrieden. 57 Prozent der Schüler:innen mit Dyskalkulie erhalten gar keinen Nachteilsausgleich, bei nur 20 Prozent der Grundschüler:innen ist er ausreichend.

Die vollständigen Studienergebnisse gibt es beim BVL.

Ansätze für Eltern


Aus unserer Sicht ist es nicht überraschend, dass die Nutzung digitaler Inhalte von immer mehr Eltern gewünscht wird. Sie sind gerade beim Distanzlernen einfach aufruf- und durchführbar.

Dennoch zeigen die Schwierigkeiten bei der Bearbeitung von schriftlichen Lernaufträgen, dass auch die  physische Unterstützung weiterhin einen enorm hohen Stellenwert einnimmt. Diese Hilfestellung durch Lernspielzeuge sollte daher nicht vernachlässigt werden, um Kindern mit Dyskalkulie die optimale Förderung zu ermöglichen.

Euer Calculix-Team

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